Massive Preissenkung für Google Maps

25 Juni 2012 von Klaus Bechtold

Diese Nachricht hat mich echt erfreut und das Grinsen bekomme ich einfach nicht weg: Google senkt die Preise für die Nutzung von Google Maps bei der Version 2 um das 10-fache, bei der Version 3 um das 8-fache.

Was ist passiert?

Tja, darüber lässt sich nur spekulieren. Und das will ich jetzt mal versuchen. Also… :-) – sorry, ich muss immer noch schmunzeln…

Als Google im Herbst 2011 mit der Ankündigung rauskam (siehe GPSies-Blog vom 7. Dezember 2011), dass Maps nun kostenpflichtig werden sollen, haben wir Maps-Community ja mächtig gegen Google losgewettert. Google antwortete, bleibt ruhig Jungs, das betrifft doch nur 0.35% aller Websites. Das Doofe war nur, dass wir Communities genau diese 0.35% waren.


Alte Preisliste für die Nutzung Google Maps

Da sich keine Community (und auch niemand anderes) die teuren Karten leisten konnte (GPSies.com hätte an einem Tag 1.000 US Dollar bezahlen müssen), wechselten wir alle zu den kostenlosen Karten von OpenStreetMap. Dadurch bekam dieses tolle Projekt einen riesigen Aufschwung. Es entstanden neue Javascript Frameworks, vielen tolle Kartenstyles und Anleitungen zum Wechsel wie z.B. Switch2Osm.

Das Problem für Google war nun, dass viele Entwickler sich mit den Alternativen beschäftigten und diese enorm weiter entwickelten. Keiner interessierte sich mehr für Google Maps. Und das genau ist jetzt das Problem von Google. Wir Entwickler turnen alle auf neuen Frameworks wie Leaflet Maps und neuen Kartenserver herum und interessieren uns nicht mehr für “good old” Google Maps. Da wir Entwickler ja nicht nur an unseren eigenen Ideen und Websites herumzuschrauben, sondern auch noch kommerzielle Websites entwickeln oder beraten, ist auch hier das neu erworbene Know-How eingeflossen. Viele Websites setzen nun gar nicht mehr Google Maps ein, sondern gehen gleich auf die Alternativen.

Ach, es betrifft ja nur 0.35% aller Websites, “bleibt cool Jungs” :-)

Gut, wir sind cool geblieben und bleiben es auch ;-) – wir kommen jedenfalls nicht mehr zurück. Der Schock von damals sitzt tief und die Unabhängigkeit ist so ein befreiendes Gefühl.

Google versucht mit der massiven Preisveränderung wieder zurückzukommen. Aber auch 1 US Dollar für 1.000 Kartenabrufe ist noch zu teuer. Naja, teuer ist es eigentlich nicht, denn Google hat mit den Karten tatsächlich enorme Server- und Leitungskosten, aber der eine Dollar ist eben für uns Communities unbezahlbar (GPSies müsste nun anstatt 1.000 Dollar nur noch 100 Dollar pro Tag bezahlen).

GPSies hat im Streckeneditor zwar noch die Google Karten, aber ich sitze gerade an einem neuen Editor, der komplett ohne Google Maps laufen kann. Ich werde aber trotzdem weiterhin dort auch die Google Karten anzeigen lassen, weil die Satellitenkarten von Google einfach unschlagbar sind.

Danke Google für den Anstoß und sorry Google :-)


  1. JoergTh    25. Juni 2012, 09:30    #

    Ich bin ja Geocacher und auch die Betreiber von geocaching.com (groundspeak) hatten sich kurzzeitig entschlossen auf OSM umzustellen. Nach einer Weile haben sie die google-Karten für Premium Mitglieder wieder verfügbar gemacht. Was ich so aus dem Bekanntenkreis mitbekommen habe ist, dass viele die OSM-Karten sogar besser fanden und die google-maps nun auf geocaching.com gar nicht mehr auswählen!

    OSM ist echt ein tolles Projekt, leider mit größeren Lücken. Wir waren am Wochenende in Frankreich (Nordvogesen), dort fehlten noch einige Wege. Aber dafür war die Karte kostenlos und durchaus brauchbar.

    Viele Grüße aus Hessen! Jörg

  2. — !I!    25. Juni 2012, 18:19    #

    Hi, danke für den interessanten Einblick aus der Entwicklersicht. Als OSMapper hatte ich ja diese Vermutung auch schon, konnte mir aber nicht vorstellen, dass da eine derart kritische Masse bei entstanden ist, dass Google da wirklich noch mal so grundlegend die Preise herunterdreht.

    Bei Geocaching waren wohl auch viele Cacher sehr unglücklich, denn wie du schon sagst, hat OSM ebend wirklich noch Lücken. Gravierend scheint das insbesondere bei Ländern zu sein, die größere Importe gemacht haben (Frankreich, USA, …). Meine Vermutung wäre, dass die Karte da oberflächlich schon gut aussieht und das vielleicht die Lust dämpft bei unserem Projekt mit zu machen.

    Daher die Bitte an euch: Macht mit! Und wenn ihr auch nur euren Lieblingsbäcker und eure Hausnummer hier vermerkt: www.osmbugs.org :)

  3. Ulrich    25. Juni 2012, 19:10    #

    Also ich gehöre zu den 99,65 % Nutzern, die eine Google-Karte (Radroutenplaner) auf ihrer Site eingebaut haben und mit dem Limit 25000 Abrufe pro Tag kostenlos locker auskommen.

  4. — groen_duiven    1. Juli 2012, 13:57    #

    Bin gerade zuruck aus Frankreich (umgebung Landes/Gironde). Habe mein Garmin mit OSM mitgehabt zum Radfahren. In Biscarosse sind die Hauptstrassen sichtbar, Nebenstrassen waren nicht in OSM. Deswegen auch extra herumgeradelt mit dem GPS, und in die nächtsen Tagen werde ich weiterhin die Daten auf openstreetmap.org einfügen, damit OSM wieder kompletter wird.

    Mache das auch in NL (wo ich lebe), und bin grosser Fan von OSM. Damit OpenFietsmap auch noch immer kompletter wrd.

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