Abschied von der Google Maps API - Ersatz durch Leaflet von CloudMade

7 Dezember 2011 von Klaus Bechtold

Wie ihr ja vielleicht schon wisst, wird die Benutzung der Google Maps API ab Anfang des Jahres 2012 für einige wenige Websites kostenpflichtig. Die entscheidende Meldung kam am 26. Oktober 2011 und hat mich im ersten Moment in Schockstarre versetzt ;-)

Google hatte das schon seit längerer Zeit angekündigt und macht nun ernst. Laut der Aussage von Google betrifft das ja “nur” 0,35% aller Kartenwebsites weltweit. Leider ist GPSies.com aufgrund der Bekanntheit und der dadurch sehr hohen Aufrufe bei den 0,35% Top-Karten-Websites dabei. Leider… oder toll?

Was kostet eigentlich Google Maps?

25.000 Aufrufe der Google Maps API sind pro Tag kostenlos (siehe Google Maps Preisliste). Für GPSies würde das bedeuten, dass nun bei angenommenen 125.000 Seitenaufrufen (Jahresmittel) mit Karten pro Tag etwa für 100.000 Aufrufe bezahlt werden müssen. 1.000 Aufrufe mit der aktuellen Google Maps API Version 2.x kosten 10 US Dollar. Somit würde GPSies.com am Tag 1.000 US Dollar bezahlen müssten. Ok, wenn ich auf die API Version 3 wechseln würde (4 US Dollar pro 1.000 Aufrufe), dann wäre der Preis immer noch bei etwa bei 400 US Dollar pro Tag. Es gibt für solche Fälle ein anderes Berechnungsmodell von Google, sozusagen eine jährliche Pauschale, die günstiger wäre, aber auch das kommt nicht in Frage.

Ich habe natürlich versucht, GPSies durch eine Ausnahmegenehmigung von Google von der Berechnung zu befreien. Weil doch die GPSies Kuh so süß ist. Muh. Dazu hatte ich meine alten Google Kontakte aufgewärmt und bin durch einen sehr netten Kontakt aus der Schweiz an einen ebenfalls netten Googler aus München gekommen. Es hätte vielleicht eine kleine Chance bestanden, wenn ich die Werbung von GPSies.com entfernt hätte. Aber – das kann ich leider nicht so einfach machen, denn ich muss ja die Kosten der mittlerweile sieben Server irgendwie finanzieren. Meine Frau wäre wohl ziemlich sauer, wenn ich für mein Hobby neben der vielen Zeit auch noch monatlich etwa 1.000 EUR an Kosten “verbrennen” würde ;-) Dann könnte ich gleich abschalten.

Wie geht es weiter?

Ja, ratet mal. Bingo, die Lösung heißt: OpenStreetMap. Seit dem 1. Dezember laufen im GPSies-Netz drei neue Server, die gerade eingerichtet werden. Sie sollen Karten aus dem OpenStreetMap Projekt erzeugen. Als ersten Wurf werden aber nur Karten des Standard Mapnik OSM Styles ausgegeben. Neue, tolle und spezielle Basiskarten extra für den Outdoor Bereich sind geplant, aber das braucht noch ein wenig Zeit (in Zusammenarbeit mit einer Hochschule). Stay tuned!

Wodurch wird die Google Maps API ersetzt?

Durch Leaflet von CloudMade! Das ist ein totales Risiko, denn die Version ist noch Beta 0.3 – aber – die API hat es in sich. Sehr einfach zu entwickeln, CSS3 fähig und schon voll auf die mobilen Browser abgerichtet. Ich konnte nicht anders – sorry OpenLayers, das war für mich viel einfacher. Manchmal muss man etwas wagen…

Es geht ja nicht nur um die Kartenbilder und nicht nur um die Javascript API, die die Bilder anzeigt. Es geht auch um weitere Dienste, die verborgen unter der Haube laufen. Ich habe vor etwa 14 Tagen GPSies schon komplett von diesen Google Hintergrund APIs gelöst. Selbst die Ortssuche im Browser läuft nicht mehr über die Google APIs (sondern jetzt über die Yahoo API). Da ich von euch keine Beschwerdemails bekommen habe, denke ich, dass das eigentlich ganz gut läuft.

Leaflet API


Startseite mit Leaflet API umgesetzt, Karte kommt von CloudMade

Ich bin schon sehr weit. Bisher sind alle Bereiche und alle Karten schon auf das neue Framework umgebaut. Zur Zeit bin ich beim Feinschliff. Ihr seht das aber noch nicht, weil ich das noch nicht aktiviert habe. Ich will das erst am Tag X, also Anfang 2012 umschalten. Natürlich brauche ich wieder ein paar Betatester, die sich den neuen Kram mal anschauen. In ein paar Wochen wird es dazu in eurem Benutzerprofil ein Häkchen geben, damit ihr auf die neuen Karten umschalten könnt. Ich werde das über die GPSies Facebook Fanpage bekanntgeben.

Apropos Leaflet, der Umbau bei der mobilen Version von GPSies, also m.gpsies.com, hat schon stattgefunden. Das war so eine Art Testballon, um die Google API komplett aus GPSies mobile zu entfernen. Funktioniert super!

Wo ist der Pferdefuß?

Es gibt keine oder nur noch ganz schlechte Satellitenkarten! Uuuaaahhhh! Das ist schlimm. Echt schlimm. Ganz schlimm. Es gibt zwar seitens MapQuest jetzt freie Satellitenkarten, aber die sind bei weitem nicht so gut, wie die von Google. MapQuest (gehört zu AOL) ist übrigens auch sehr interessant, denn die haben seit dem 17. November, also ein paar Tage nach der Ankündigung von Google, ihre Kartenlimits aufgehoben. Ein feiner Zug, danke sehr!

GPSies nun ganz ohne Google?

Nee, natürlich nicht. Ich mag Google Maps nach wie vor. Da gibt es nichts, darüber möchte ich auch kein böses Wort fallen lassen, immerhin habe ich dem Laden unheimlich viel zu verdanken. Ohne Google Maps wären wir noch nicht soweit. Das Google Earth PlugIn wird es auch in der neuen Version geben, denn das benötigt keinen API Key (Mist, wie stelle ich das nur an??).

Nicht nur aufgrund des Aufwandes, nun auch den Streckeneditor von GPSies auf Leaflet um zubauen, wird dieser erst mal so bleiben wie er ist. Ich werde versuchen, auch zu sommerlichen Spitzenzeiten den Editor mit nicht mehr als 25.000 Aufrufen pro Tag zu überlasten (um im Limit zu bleiben). Es kann sein, dass ich dafür den Login umbauen muss, d.h., dass man nur noch im angemeldeten Zustand Strecken editieren und erstellen kann.

Was ändert sich für die Benutzer?

Nix. Naja, die Bedienung wird ein wenig anders sein. Die iFrame Widgets werden wie gehabt angezeigt, nur dass sie eventuell nicht mehr auf alle Kartentypen reagieren. Für euch ändert sich nicht viel, macht weiter so!


  1. Michael Lindemann    7. Dezember 2011, 20:13    #

    Hallo Klaus,

    leider merken die Nutzer von GPSies erst durch solche Ankündigungen wieviel Arbeit und Engagement in solch einem System steckt. Ich bin sehr dankbar für Deine Arbeit an GPSies und nutze es schon geraume Zeit sehr ausgiebig.
    Einige Open Source Projekte (z.B. http://trainingstagebuch.org) bieten einen Standardbereich an, welcher meist ausreicht und zum Testen geeignet ist. Für weitere Funktionen, mehr so der Premiumbereich, wird dann eine (durchaus berechtigte)Spende, oder ein geringer Jahresbeitrag erwartet. Das ist ein sinvoller Weg, um Projekte auf den Weg zu bringen, oder am Leben erhalten zu können. Für das Projekt GPSies sind sicher eine Vielzahl von Nutzern bereit einen angemessenen Beitrag zu bezahlen.

    Noch einmal vielen Dank für die sehr gelungene Webseite und deren Funktionen.

    Gruß

    Michael Lindemann

  2. iGeorg    7. Dezember 2011, 21:02    #

    Ganz großes Kino, das Du Dir die viele Mühe machst, und auf die freien Systeme umstellst!
    Ich hoffe das dadurch die Akzeptanz zu offenen Karten weiter steigt und die Dominanz von Google ein wenig schmälert.
    Vielleicht hat es so sogar sein gutes, daß google nicht eingelenkt hat.

  3. derScheuch    7. Dezember 2011, 22:34    #

    Danke für dein Engagement! Es war klar, dass google mit seinen Kartendiensten irgendwann auch mal Geld verdienen will.
    Gpsies war mir seit seiner Entstehung immer ein hilfreicher Freund, was neue Laufstrecken anging. Ich hoffe, dass uns allen dein wertvolles Angebot erhalten bleiben kann!

  4. Daniel    7. Dezember 2011, 22:55    #

    Das soviel Zeit und Kosten in deinem Projekt stecken kann sich ein “Otto-Normal-User” sicher nur schwer vorstellen.

    Du hast meinen größten Respekt für dein Projekt.

    Viel Erfolg weiterhin!

    Daniel

  5. — Danny Jung    7. Dezember 2011, 23:28    #

    Top! Danke für dein großes Engagement!

  6. Muckel    7. Dezember 2011, 23:32    #

    Guten Abend,

    zwar fehlt mir noch ein eigener GPS-Empfänger, doch schon jetzt habe ich ab und an diese Seite genutzt und finde sie sehr gut! Für die viele Arbeit die so eine Änderung erzeugt, ist es schlecht, dass Google nun “ernst” macht, doch ich kann mir vorstellen, dass dank der Lizenzgebung in dem OpenStreetMap Projekt nun auch für die nächsten Jahre ein “System” gewählt ist, dass solch eine Überarbeitung hoffentlich nicht mehr nötigt macht.

    Alles gute für die Zunkunft und ein möglichst unendliche bestehen dieser Seite!
    Muckel

  7. Ed    8. Dezember 2011, 10:48    #

    Hi Klaus,

    ein guter Artikel, danke. Uns geht’s ähnlich hier bei Nestoria. Wir werden auch auf OSM/mapquest/leaflet umstellen, aber mit einem Unterschied – wir machen das ganze über Mapstraction – http://mapstraction.com

    Damit konnen wir jederzeit ohne viel Aufwand Kartenanbieter wechseln. In manchen Länder wie Deutschland ist OSM schon sehr, sehr gut – da macht es Sinn OSM zu verwenden. In anderen Länder ist OSM noch nicht so weit, da benutzen wir Ovi oder Bing oder Google oder sogar eine Mischung (manche Nutzer bekommen Karte A, manche Karte B). Mit Mapstraction geht das alles ohne Probleme, ich kannäs nur empfehlen.

    ciao,
    Ed

  8. — Frank Peters    8. Dezember 2011, 12:13    #

    Schade, an die Google-Maps hatte man sich schon gewöhnt. Aber bei den Kosten geht das natürlich nicht. Aprospos “Kosten”: Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere für “Premium-Dienste” auch bereit wäre, etwas zu bezahlen. Ich wäre dabei. Nur so’ne Idee.
    Grüsse und Danke für die tolle Arbeit. GPSies ist und bleibt eine meiner Lieblingsseiten.

  9. Gorch    9. Dezember 2011, 09:53    #

    Warum nur schlechten Satellitenkarten? Ich habe an meiner Seite solchen Layer hinzugefügt (als L.TileLayer.WMS): ‘http://wms.latlon.org/?’, /Akkolade/layers: ‘bing’/Akkolade/
    Aber, ich bin nicht sicher, dass es bezüglich Copyright gut ist.

  10. — Grummbeere    29. Januar 2012, 19:06    #

    Der Mapnik Stil entspricht nicht dem vom openstreetmap.org – Es werden insbesondere keine tracktype unterschieden und highway=path dargestellt !

  11. Helge Fahrnberger    11. Februar 2012, 10:05    #

    Umstellen liegt im Trend, wir stellen auch um! :-) http://www.toursprung.com/2012/02/a-farewell-to-google-maps/

  12. — Sebastian    23. Juni 2012, 17:56    #

    Google hat gerade die Preise gesenkt:

    http://googlegeodevelopers.blogspot.de/2012/06/lower-pricing-and-simplified-limits.html

  13. — parafux    6. Dezember 2014, 08:24    #

    um trotzdem die bei gpsies.com gelisteten tracks mit den inzwischen äußerst detaillierten google satelliten-karten z.b. auf facebook posten zu können geht man einfach folgenden weg:

    http://www.gpsies.com/files/kmz/w/wmcclzpvilderzcn.kmz
    in die Google-maps suchmaske eintippen und dann die URL zum posten verwenden.
    den kryptischen dateinamen erhält man einfach wenn man bei gpsies den track anzeigt und in der url nachschaut wie dort der name lautet.

    viel spass

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