Android-Anleitung: Navigieren mit GPSies und OsmAnd

18 November 2017 von Klaus Bechtold

Die Idee für diesen Artikel basiert auf dem Wunsch meines Vaters, ihm eine Anleitung zum Nachwandern einer GPSies-Strecke für sein Smartphone zu erstellen. Ich dachte mir, dass sich vielleicht noch weitere Personen dafür interessieren könnten und beschreibe jetzt mal ganz ausführlich einen Weg, wie man GPSies zum Nachfahren, -laufen, oder wandern verwenden kann. Es gibt natürlich eine Million alternativer Möglichkeiten (GPS-Geräte, weitere Apps), wie man hier vorgehen kann und ich bitte um Nachsicht, wenn ich eben nur diese eine Variante erkläre.

Voraussetzung dafür sind:

  • Benutzerkonto bei GPSies
  • Android Smartphone
  • Android App OsmAnd (kostenpflichtige Basis-Version für 6,99 EUR), kostenlose Version
  • Android App GPSies (kostenlos)

Tipp: besorge dir eine größere Powerbank zum Nachladen des Akkus unterwegs

Ich höre schon den Aufschrei der Apple-, Garmin, Oruxmap- oder Locusnutzer. Ja, wie gesagt, das ist eben nur ein Weg – im Prinzip ist das meine persönliche Vorgehensweise, mit der ich im Urlaub oder zuhause im Berliner Grunewald entlegene Gebiete im Dauerlauf oder als Fahrradtour erkunde. Ich nutze ein Apple Macbook Pro zum Entwickeln von GPSies, aber mobil bin ich mit einem Android-Smartphone unterwegs. Ich kenne und schätze Oruxmaps, Maverick oder Locus, aber ich benutze aus reiner Gewohnheit öfter OsmAnd – Geschmacksache.

Apps (GPSies und OsmAnd) installieren und Strecken merken

So, jetzt geht es los – bitte installiere, falls noch nicht geschehen, jetzt die o.a. Software (GPSies und OsmAnd) auf dein Android Smartphone. Ich gehe jetzt davon aus, dass du eine Strecke bei GPSies erstellt oder eine bereits vorhandene ausgewählt hast. Diese Strecke bitte „merken“, d.h. auf der Website www.gpsies.com den grünen Button „merken“ anklicken. Dieser ist dir bestimmt schon mal aufgefallen. Die Strecke wird in den „Merkzettel“ gelegt und bleibt so lange darin enthalten, bis sie wieder entfernt wird. Ganz oben, etwas rechts, befindet sich der Button mit den von dir gemerkten Strecken. Die Zahl dahinter zeigt die Summe der Einträge an.

Ich möchte mal an dieser Stelle sagen, dass ich mir alle ausgewählten Strecken vorher ganz genau anschaue. Mir ist meine Freizeit zu kostbar, sodass ich nur die schönsten Laufstrecken oder Fahrradwege abfahren möchte. Ich halte nichts von Apps, die mir die Strecken vorschlagen und ich sie dann blind abfahre. Ich möchte z.B. bewusst Fahrradwege neben Bundesstraßen vermeiden oder einen Biergarten mitnehmen, auch wenn er sich nur durch einen Umweg von 3 km erreichen lässt.

Strecke „merken“

So, zurück zum Thema: Die ausgesuchte Strecke muss auf das Smartphone übertragen werden. Jetzt kommt der Clou: alle Strecken des Merkzettels von www.gpsies.com werden mit der GPSies-App synchronisiert (übrigens funktioniert das auch mit der iPhone App von GPSies).
Dieser kleine Umweg über die App erspart dir, das Smartphone mit dem Kabel an den Computer anzuschließen oder einen Download über die Website zu initiieren. Die GPSies App kann nicht besonders viel (ich habe gerade nicht das nötige Kleingeld zur Verfügung, um die App mal zu erneuern), aber sie kann hervorragend deine Strecken verwalten.

Kleiner Exkurs: ich werde oft gefragt, warum nicht automatisch ALLE Strecken von GPSies mit dem Smartphone synchronisiert werden. Da es Benutzer gibt, die oft hunderte Strecken (es gibt Nutzer, die haben 3.000 Strecken!) erstellt haben, würde bei einer Übertragen das Smartphone volllaufen. Oder es würde unübersichtlich werden, die richtige Strecke auszuwählen. Um es einfach zu halten, hatte ich den Merkzettel dafür verwendet, es werden somit nur die Strecken übertragen, die zurzeit (z.B. Urlaub, Wochenende, Veranstaltung) gerade wichtig sind.

Download der Strecke auf das Smartphone

So, wir haben also die Strecke im Merkzettel. Bitte nimmt jetzt dein Smartphone zur Hand und öffne die App „GPSies für Android“. Falls noch nicht geschehen, bitte in der App anmelden und dabei den gleichen Benutzerdaten von www.gpsies.com verwenden.

Über das Menü (links oben auf die drei vertikalen Striche tippen) kannst du den Menüpunkt „Meine Sammlung“ auswählen. Dort befindet sich die Liste der gemerkten Strecken (Merkzettel) und du müsstest deine ausgesuchte Strecke wiederfinden. Wähle dort die Strecke aus, die du nachwandern oder -fahren möchtest. Es erscheint eine Ansicht mit vielen Informationen zur Strecke, die du auf www.gpsies.com ausgewählt hast. Unter anderem findest du dort auch eine Schaltfläche mit einem Pfeilsymbol: „Download GPX“. Tippe hierauf, um die Strecke herunterzuladen – der Download wird gestartet.

So, jetzt passiert etwas, was man aufgrund unterschiedlichen Konfigurationen / Installationen / Smartphones eigentlich schlecht beschreiben kann. Ich versuche es trotzdem mal, aber es kann sein, dass es bei dir ganz anders ablaufen wird.

Es kann sein, dass sich jetzt Apps melden, die etwas mit der GPX-Datei anfangen können. Bei mir melden sich gleich drei Programme, die gerne diese Datei haben und weiterverarbeiten möchten. Wie bereits beschrieben, ich möchte nur den Weg mit der App „OsmAnd“ beschreiben. Bitte tippe also dort nur diese App an. Eventuell wirst du gefragt, ob der Dateityp immer mit der gleichen App geöffnet werden soll – die Entscheidung ist dir überlassen ;-)

Da die Datei im „normalen“ Download-Verzeichnis des Smartphones gelandet ist, möchte nun „OsmAnd“ die Datei in dem dafür vorgesehenen Ordner kopieren. Bei mir ist das zudem nicht der Speicher des Smartphones selbst, sondern der Speicher auf meine SD-Karte.

Da „OsmAnd“ von Hause aus nicht einfach irgendwelche Dateien von meiner SD-Karte oder vom Smartphone lesen oder schreiben darf, kommt nun eine Meldung mit dem Hinweis, der App doch bitte diese Berechtigung zu erteilen. Das geht leider nicht in einem Rutsch, denn jetzt musst du in die Android-Einstellungen zur App wechseln. Das ist aber einfach, denn du musst nur auf den erschienenen Button „Berechtigungen“ tippen. Tippe in dem nachfolgenden Bildschirm wiederum auf „Berechtigungen“. In dem folgenden Fenster kannst du dann unter „Speicher“ mittels schieben des Schiebereglers die Berechtigung erteilen.

Wenn dieses Verfahren einmal durchgeführt wurde, dann muss es in Zukunft, also bei weiteren Downloads nicht mehr erfolgen – die Dateien werden dann einfach von OsmAnd in dem vom System zugeteilten Verzeichnis gespeichert. Ich gebe zu, dass das nicht trivial ist und vor allem Laien haben damit bestimmt ihre Probleme. Deshalb erkläre ich das ja so ausführlich ;-)

So, wenn wir nach dem Download die Berechtigung über die Android-Verwaltung erteilen mussten, wurde durch den Ausflug in die Systemeinstellung das Wesentliche vergessen – wir wollten ja die Datei herunterladen und in „OsmAnd“ verwenden. Also nochmal zurück zur Datei. Entweder könnt ihr jetzt die Datei nochmal herunterladen (gehe zur in diesem Fall GPSies-App) oder du siehst oben in der Android-Benachrichtungszeile noch den Download-Pfeil (dann bitte darauf tippen und die Datei auswählen).

Jetzt wird die GPX-Datei richtig verarbeitet. „OsmAnd“ quittiert dies mit einer Erfolgsmeldung auf dem Bildschirm und zeigt die Strecke an.

Damit wäre die Sache erledigt, denn der Rest wird von der App übernommen. Ich möchte jetzt dafür kein Handbuch schreiben, aber ich will noch auf ein paar nützliche Dinge hinweisen.

Mit „OsmAnd“ hat man die Möglichkeit, Offline-Karten herunterzuladen. Das hat den Vorteil, dass man auf die Karten zugreifen kann, wo „online“ nicht so geeignet ist (entweder kein Empfang, zu langsam oder zu teuer). Ich hatte am Anfang darauf hingewiesen, die Kaufversion der App zu erwerben. Da ich ja selbst Entwickler bin, habe ich ein ganz anderes Verständnis und bei mit sitzt der Euro da ziemlich locker. Ich kaufe gerne eine App, weil ich die Entwickler damit bewusst und gerne unterstütze. Aber hier geht es auch noch um etwas Anderes. Bei der Kaufversion hat man nämlich so viele Offline-Karten herunterladen wie man möchte. Ich habe sogar noch die Kartenschummerung und Höhenlinien mit erworben. Das hat mich nicht arm gemacht, denn alles in allem habe ich für die 3 Pakete nur ca. 10 Euro bezahlt. Wenn man bedenkt, dass ich noch vor ein paar Jahren für die Garmin Topo –Karten 199 EUR bezahlt habe, ist das ein Witz ;-)

Wie bereits geschrieben, möchte und kann ich kein Handbuch für „OsmAnd“ schreiben. Wer sich nicht vor einer Anleitung in englischer Sprache scheut, dem sie diese Einführung in „OsmAnd“ ans Herz gelegt.

OsmAnd: Einstellungen

„OsmAnd“ hat duzende Konfigurations- und Einstellmöglichkeiten. Leider ist das ein bisschen unübersichtlich. Es ist aber auch sehr schwer, alle Funktionen unter einen Hut zu bekommen. Rechts unten, durch Antippen der drei vertikalen Striche, kommst du zu dem zu dem besagten Menü. In der Agentursprache wird dies aufgrund der Ähnlichkeit zu einem Fastfoodgericht auch „Hamburger-Menü“ genannt.

OsmAnd: Modus Operandi

Stelle hier ein, unter welcher Betriebsart (z.B. zu Fuß oder mit dem Fahrrad) du die App verwenden möchtest.

  1. Rufe das Menü auf
  2. Tippe auf „Einstellungen“
  3. Danach auf „Allgemeine Einstellungen“
  4. Tippe auf „Standardprofil“ und wähle „Fahrrad“ oder „Fußgänger“ aus
  5. Tippe auf „Kartenrotation“ und stelle „Nach Bewegungsrichtung“ ein

OsmAnd: Herunter geladene GPX Strecken verwalten

Eigentlich können die bereits heruntergeladenen Strecken ewig verbleiben. Aufgrund der Übersichtlichkeit in der Karte kann man die Strecken einzeln ein- und ausschalten. Hier sind die Schritte:


  1. Rufe das Menü auf
  2. Tippe auf „Karte konfigurieren“
  3. Tippe auf „GPX Tracks…“
  4. setze oder entferne das Häkchen bei der jeweiligen Strecke

Tipp: In diesem Menüpunkt kann man auch die Darstellung der Strecke beeinflussen, also wie diese Strecke in der Karte angezeigt wird. Ich persönlich habe es am liebsten, wenn die Strecke in der Karte sehr deutlich auffällt und habe als Dicke „fett“ und „lila“ ausgewählt.

OsmAnd: Wieviel Karten-Speicherplatz wird benötigt?

Beim ersten Mal wird du gefragt, ob die Übersichtskarte der Welt installiert werden soll. Ich würde dir auf jeden Fall dazu raten. Alle Karten von „OsmAnd“ sind sehr klein und benötigen nur wenig Speicherplatz. Sie liegen nicht als „Bilder“ vor, sondern werden auf deinem Android-Smartphone je nach Zoomstufe aus Vektoren errechnet und angezeigt. Ein Riesenvorteil dabei ist, dass die Karten nach den eigenen Bedürfnissen (z.B. Schriftart, -größe) eingestellt werden können.

OsmAnd: Karten installieren (im WLAN)

1. Rufe das Menü auf
2. Tippe auf „Kartenverwaltung“
3. Wähle den Kontinent, das Land oder die Region aus und lade die Karte herunter

Tipp: Die Karten aus dem OpenStreetMap-Projekt ändern sich täglich. Es ist gut, wenn du vor einer Wanderung oder nach einer längeren Zeit ein Update der Karten machst. Ich schaue auch ab- und zu mal nach, ob die heruntergeladenen Karten noch benötigt werden. Wenn nicht, dann lösche ich sie wieder.

Wichtiger Hinweis: Ziel ist es ja, die Karten offline zu verwenden. Da „OsmAnd“ auch Online-Karten anzeigen kann, solltest du darauf achten, dass die Verwendung der Offline-Karten eingeschaltet ist (siehe nächster Punkt: Karte konfigurieren).

OsmAnd: Karte konfigurieren

Dieser Zweig ist sehr mächtig. Ich gehe nur auf die wichtigsten Möglichkeiten ein, wie z.B. der Schriftgröße und Detaileinstellung ein.

  1. Rufe das Menü auf
  2. Schaue unter „Kartenquelle…“ nach, ob „Offline-Vektor-Karten“ ausgewählt wurde.
  3. Je nach Bildschirmgröße des Smartphones, stelle die Schriftgröße auf 150%.
  4. Unter „Details“ habe ich eingestellt: Mehr Details, Straßenoberfläche und Straßenoberfläche anzeigen, Gebäudefärbung nach Typ

Tipp: Ich verwende auch nachts den Kartenmodus „Tag“.

OsmAnd: Was sonst noch?

Tausend andere Dinge – aber das musst du selbst ausprobieren oder einstellen. Wenn du die Konfiguration mal undurchschaubar vergeigt hast, dann kannst du die App einfach De- und anschließend wieder neu installieren.

Man kann natürlich noch viel mehr machen. „OsmAnd“ eignet sich auch zum Aufzeichnen deiner Strecken. Ich verwende die App oft zum Laufen oder Radfahren – ganz ohne auf die Karte zu schauen. Dabei lasse ich mich per Sprachnavigation navigieren. Ich packe mein Smartphone in eine geschützte Hülle, schnalle es an den Arm, wähle die vorher ausgesuchte Strecke aus, schalte die Navigation an (abgeknickter Pfeil neben dem Einstellungsmenü) und laufe los. Das macht echt Spaß, vor allem, wenn man nicht auf die Karte schauen muss und sich komplett auf die Landschaft konzentrieren kann.



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