Ade Satellitenkarten: Nokia-HERE-Karten leider nicht mehr verfügbar

4 Februar 2015 von Klaus Bechtold

Am Sonntagabend entspannte ich mich gerade bei einem Spielfilm (nein, kein Tatort), als mein mobiler Begleiter (ja, das ist schon eine Krankheit) sich mal wieder mit einer Mail meldete. Sie kam von Nokia HERE (“donotreply”) mit dem Betreff: Transaction Usage Notification.

Dort las ich:

… you’ve used 50% of your monthly platform transaction quota…
Total Monthly Transaction Limit: 100000
Total Monthly Transactions Used: 51643.333333333

Genau 10 Minuten später bekam ich erneut eine Mail:

…you’ve used 75% of your monthly platform transaction quota…
Total Monthly Transaction Limit: 100000
Total Monthly Transactions Used: 76077.2666666667

Und nochmal 7 Minuten später:

…you’ve used 95% of your monthly platform transaction quota…
Total Monthly Transaction Limit: 100000
Total Monthly Transactions Used: 95076.1333333334

Spätestens jetzt wusste ich, dass es vorbei mit meiner gemütlichen Sonntagabendunterhaltung ist. Ich raste (an den verwunderten Blicken meiner Frau und den Kindern vorbei) einen Stock höher zum Rechner, startete meine IDE und baute sämtliche Nokia Karten aus. 5 Minuten später aktualisierte GPSies.com und GPSies war “Nokia”-frei – hatte also keine Satellitenkarten mehr.

Kurz danach meldete mich mit meinem Nokia HERE Entwicklerkonto an, fand eine Preisliste und siehe da: Nokia’s ehemals kostenlose Kartennutzung wurde auf einmal kostenpflichtig. Sie hatten mein kostenloses Konto mir nichts, dir nichts schon vor einiger Zeit automatisch in eine 3-monatige Testphase (Start Ende Oktober 2014) umgewandelt. Diese war nun abgelaufen, doch leider habe ich von Nokia keine Mail erhalten.

Ein vorsichtiger Blick in die Preisliste schaffte Klarheit:

100.000 monatliche Transaktionen sind kostenlos
150.000 monatliche Transaktionen kosten 49 €
275.000 monatliche Transaktionen kosten 99 €
700.000 monatliche Transaktionen kosten 299 €
2.000.000 monatliche Transaktionen kosten 999 €

Die Preise gelten aber nur, wenn man vorher diese Mengen bucht. Ansonsten wird nach Verbrauch abgerechnet (0.001€ / Transaktion).

Eine Transaktion, soweit ich das richtig beurteile, “wiegt” 15 Kartenkacheln (engl. Tiles). Je nach euren Bildschirmgrößen sind das pro GPSies-Strecke mal mehr oder weniger. Nokia geht davon aus, dass eine Strecke im Satellitenmodus im Durchschnitt 15 Kartenkacheln entsprechen (entspricht einer Transaktion). Was bei sehr kleinen Bildschirmen (z.B. Smartphones) ja noch stimmen mag. Ich rechne aber generell mit 5 Transaktionen pro Kartenansicht. Wenn ein Nutzer die Karte zoomt oder verschiebt, dann werden weitere Kacheln angefordert und somit neue Transaktionen gezählt.

Nokia führt eine Statistik mit, an der ich genau die Anzahl der Requests ablesen und daraus die Transaktionen berechnen kann (1 Transaktion = Anzahl Requests/ 15). Nun, was glaubt ihr? Reichen die 100.000 kostenlosen Transaktionen pro Monat? Leider nicht, sie reichen bei GPSies.com gerade mal für 2-3 Tage. Dann ist das monatliche Kontingent erschöpft. Laut der Statistik hat GPSies in den ruhigen Wintermonaten ca. 35.000 Transaktion pro Tag, das sind etwa eine Million Transaktionen pro Monat. Ich rechne, dass es im Frühjahr bzw. Sommer etwa zwei Millionen Transaktionen im Monat sein werden.

Jetzt nehme ich mal die Preisliste, rechne hoch und komme auf ca. 1.000€ pro Monat, die ich für die Nokia-Satellitenkarten bezahlen müsste. Das kann ich mir leider nicht leisten, sorry! Der Betrieb von GPSies wird größtenteils durch die Werbung und Spenden finanziert und soll kostenlos bleiben. Die 1.000€ an Nokia müsste ich jedoch aus eigener Tasche bezahlen.

Nokia geht damit einen Schritt, den bisher fast alle Kartenanbieter gegangen sind (bis auf MapQuest): sie wollen endlich Geld verdienen. Erst fangen sie damit an, die “Guten” vorzuspielen und locken Entwickler damit, kostenlos und unlimitiert Karten einzubinden. Dann kommt irgendwann der Hammer und so weiter.

Ich habe das jetzt schon mit Google erlebt, mit Yahoo, Cloudmade und Microsoft. Naja, jetzt eben auch Nokia. Man kann es ihnen nicht verdenken, denn gerade die Satellitenkarten mit den hohen Detailinformationen sind nicht gerade leichtgewichtig, was den Datentransfer betrifft. Aber schade finde ich es trotzdem.

Ich hoffe nur, dass ich nach Ablauf der Testphase am letzten Sonntag nicht für ein paar Stunden bezahlen muss. Da Nokia mein Konto einfach so überführt hat, haben sie weder Anschrift noch Zahlungsinformationen und ich hoffe, dass keine Rechnung per E-Mail kommt. Komischerweise zeigt mir die Nokia Statistik immer noch jeden Tag ca. 2.000 Transaktionen an, die nach dem Ausbau abgerufen werden. Wahrscheinlich bedient sich hier einer mit meinem Lizenzschlüssel. Oder sie zählen falsch ;-)

Als Alternative habe ich erst einmal OpenAerialMap integriert, die aber kaum ins Detail gehen und sehr grob sind.


  1. Daniele    5. Februar 2015, 20:47    #

    Das ist ja dreist! Drück dir die Daumen, dass keine Rechnung kommt. Gut, dass du auf dein Handy geschaut hast, für gewöhnlich schmeiß ich das Abends in die Ecke ;)

    Grüße aus Köln
    Daniele

  2. — Klaus Bechtold    5. Februar 2015, 22:35    #

    Ciao Daniele,

    halb so wild, es wird irgendwann wieder eine Lösung geben.

    Viele Grüße nach Kölle! Vielleicht treffen wir uns mal wieder in Berlin!

    LG, Klaus

  3. — Wuffimaus    11. Februar 2015, 12:56    #

    Das ist echt schade aber verständlich! Ich würde an deiner Stelle auch nicht anders handeln. Satellit nutze ich nicht oft, dann schaue ich halt extern an. Trotzdem ist GPSies mit Abstand der Beste.
    Everytrail scheint auch zu sterben, somit bist du wohl fast der Monopolist :-) Zwar gibt es auch andere GPS-Seiten, sind aber nicht so gut wie Deins, u.a. umständliche Bedienung! :)


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