Strecke messen mit Geländesteigung

3 November 2012 von Klaus Bechtold

Im letzten Sommerurlaub trafen wir uns mit einer befreundenden Familie im Salzburger Land. Matthias, mein Freund, hat die mir etwas befremdliche Angewohnheit, frühmorgens um 5 Uhr auf einem Berg den Sonnenaufgang zu beobachten. Er bestieg also mitten in der Nacht den 2.051 Meter hohen Lackenkogel mit einen Gesamtanstieg von etwa 700 Höhenmetern.

Als wir uns Nachmittags trafen und er den Track hochgeladen hatte, fragte er mich, ob denn die Streckenlänge mit 7,86 Kilometer auch die Höhenmeter berücksichtige. Er hatte anscheinend auf der Wanderung zu viel Zeit und trotz der Anstrengung seinen Verstand geschärft. Tja, und da hatte er mich. GPSies misst nur die Horizontalentfernung, also flach auf der Kugeloberfläche.

Bauchschmerzen

Es ist als Streckenpapst nicht angenehm, wenn sich der latente Vorwurf einschleicht, dass die bisherige Methode zur Streckenmessung nicht richtig sei. Das kratzt am Ego. Ich stellte mich diesem Problem und errechnete Pi mal Daumen eine Abweichung von 2-3%, also etwa 200 Meter, die GPSies bei der Lackenkogel-Strecke zu wenig anzeigt.

Berechnung der tatsächlichen Distanz
Diagramm zur Berechnung der tatsächlichen Distanz anhand des Satzes des Pythagoras

Zu Hause angekommen analysierte ich andere Websites oder Software, ob diese die Korrektur mit der Geländesteigung vornehmen. In fast allen Fällen war dies nicht der Fall – es wurde wie bei GPSies nur eine Streckenmessung anhand der Horizontalentfernung vorgenommen.

Gestern habe ich eine neue Funktion eingebaut, mittels der man sich die tatsächliche Entfernung unter Berücksichtigung der Höhendaten anzeigen lassen kann. Die Streckendaten werden Punkt für Punkt anhand des Satzes des Pythagoras neu berechnet.

Der Knopf zum Ausprobieren befindet sich auf jeder Kartenseite zu einer Strecke unterhalb der Bewertungen, siehe “Entfernung mit Höhendaten”. Die Berechnung wird jedoch nur angezeigt und wird nicht als neue Streckenlänge übernommen.

Neue Berechnung bei GPSies?

Ich könnte jetzt natürlich die neue Berechnung als Standard bei GPSies einbauen. Das führt doch zu den folgenden Problemen:

  1. ungenaue Höhendaten führen zu ungenauen Ergebnissen
  2. im Vergleich zu anderen Streckenportalen hätte GPSies andere Daten, dies führt zu Diskussionen ;-)
  3. GPSies müsste 1.500.000 Stecken neu berechnen —> 17 Tage bei 1 Strecke pro Sekunde

Natürlich ist auch dies nur ein Anhaltspunkt, denn bekanntlicherweise ist die Erde ja eine Kartoffel. Es kommt natürlich auch auf den zu Grunde liegenden Erdumfang an.

Fazit

Wer ganz genau die tatsächliche Entfernung wissen möchte, der muss zum altherkömmlichen Hodometer greifen und die Strecke abrollen. Da wird dann die Kartoffel und auch die Geländesteigung berücksichtigt – alles 100% GPS frei ;-)


  1. — stroker88    3. Dezember 2012, 17:46    #

    Interessant, man lernt nie aus.

  2. Norman Bauersfeld    1. Mai 2013, 04:43    #

    Schön, dass Deine Überlegungen einfließen. Es viel bereits eklatant auf. Warum nicht als 2. oder n-te Distanz angeben. In Zukunft gibt es mglw. weitere Methoden, die unterschiedlichste Genauigkeiten berücksichtigen. Gruß, Norman

  3. — frank Eickholt    4. Juni 2013, 14:24    #

    Witzig, genau die gleiche Überlegung habe ich 2010 bei meiner Wanderung von Zauchensee zum LACKENKOGEL aufgestellt…. :-)

  4. — Wilhelm Lau    22. Juni 2013, 11:13    #

    Habe mir darüber auch schon Gedanken gemacht, allerdings nicht mit dem nötigen Ehrgeiz.

    Was für mich bleibt ist die Frage, misst meine GPS Uhr auch “nur” die Horizontalbewegung?

  5. Klaus Bechtold    24. Juni 2013, 15:29    #

    Hallo Wilhelm,

    das kann nur der Hersteller beantworten ;-) – man kann es kaum überprüfen. Aber ich denke mal, dass die auch nur die Horizontalbewegung errechnen.

    LG, Klaus

  6. Laufhannes    29. Juni 2013, 16:32    #

    Wenn man sich das Ergebnis anschaut, dürfte auch klar sein, warum überall nur die Horizontalbewegung gemessen wird. Selbst bei 25% Steigung macht das nur einen Unterschied von 3% in der Distanz aus, bei 10% Steigung nur 0.5% Änderung in der Distanz. Da kommen durch die GPS-Messung an sich schon deutlich größere Abweichungen zustande.

    Aber ein schöner Exkurs!

  7. — LaFeeVerte    15. Juli 2013, 15:04    #

    Lieber Klaus, Freund mit befremdlicher Angewohnheit da hast Du Recht. Lass Dich von solchen Leuten nicht aus der Ruhe bringen. Laufhannes hat genau Recht. Zeichnet Euch mal alle auf einem Blatt Papier 20 Prozent Steigung. Dass man meint es bliebe bei steilen Anstiegen etwas unberücksichtigt liegt an der überhöhten Wahrnehmung. 20 Prozent Steigung von der Seite betrachtet sind praktisch nix! Jedes GPS-Gerät hat bei der Distanz höhere Abweichung und solang Menschen ihre Fahrrad-Computer nach der Reifentabelle des Herstellers justieren (noch ungenauer) solltest Du Klaus lieber eine weitere nette Wanderung mit Deinem Freund machen anstatt 1,5 Mio Streckenkilometer neu berechnen zu lassen. :- ) Hannah

  8. — heinrich    5. September 2013, 17:38    #

    Tatsächlich kann man das niemals genau hinkriegen, denn je kürzer man die Abschnitte macht, desto mehr Steigungen erhält man und damit auch längere Wege. Genau genommen wird jeder Kiesel zur Steigung bzw. zum Gefälle.

    Analogon: Die Länge des Ufers lässt sich auch nie genau bestimmen, selbst, wenn das Wasser nicht Ebbe und Flut unterworfen ist. B-)

    Aber Dein Ansatz bringt und schon mal einen Schritt weiter.
    Herzlichen Dank dafür!

    Heinrich

  9. fred    20. April 2014, 15:05    #

    thanks – mir war immer unklar, ob die diversen laufprofile nun horizontale angaben machen oder streckenlängen (weil sie oft von streckenlängen reden). nur horizontale messung macht für die vergleichbarkeit wirklich sinn, bin daher froh, dass es so ist.

    und beruhigend, dass die GPSies es weiterhin so macht wie andere portale – auch wenn nur wenige % unterschied.

  10. — Jörg    28. Juli 2014, 16:33    #

    Bei der Skiabfahrt macht das schon was aus. Bei 500km zb. 20km. Allerdings wäre da mein Hauptbedenken, dass man ja immer Kurven fährt, z.b. mit Radius 10m, das GPS aber eine Punktaufzeichnung macht, z.b. aller 20m, und dabei Luftlinie verbindet. Ich will lieber nicht drüber nachdenken …

  11. — gerhard    10. September 2014, 19:40    #

    Um es noch komplizierter zu machen:

    Früher hatte man den Mess-Sensor in der Regel am Schuh,
    heute an der Hand in der Uhr integriert.

    Gerade beim Steigen bzw. beim Treppensteigen
    macht m.E. der Fuß wesentlich mehr Höhenmeter
    als dann die Differenz zwischen Start und Ziel angibt.

    Aber am wichtigsten ist doch, dass man oben ankommt, gell….


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